Pulsoxymeter kaufen: Soll ich Sauerstoff im Blut selber messen? - Gesundheit - Bild.de

2022-03-19 07:39:05 By : Ms. Randa Jiang

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Immer wieder sind im Internet Empfehlungen zu lesen, dass Menschen mit Covid-19 sich ein sogenanntes Pulsoxymeter zulegen sollten, um die Sauerstoffsättigung im Blut zu Hause zu messen und so schweren Corona-Verläufen rechtzeitig vorzubeugen. Aber was sagt der Fachmann?

Geräte, die die Sauerstoffsättigung im Blut messen sollen frühzeitig anzeigen, falls dieser Wert in drastischer Weise sinkt, weil sich dann eine gefährliche Lungenentzündung entwickeln könnte.

Facharzt Jens Geiseler von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin sieht das kritisch. Die Geräte für den Heimgebrauch, die es etwa in Apotheken oder Drogeriemärkten gibt, seien zu ungenau – insbesondere in den niedrigeren, aber in diesen Fällen relevanten Sättigungsbereichen. Geiseler: „Sie sind nicht für medizinische Zwecke gedacht, sondern für Fitness.“ Das Gleiche gilt für Smartwatches und Smartphones mit dieser Funktion!

Außerdem können viele Faktoren die heimische Messung verzerren: Armhaltung, Lichtverhältnisse oder der allgemeine Zustand der Gefäße. Was dazu führen kann, dass der Wert viel höher ist als tatsächlich oder umgedreht.

Heute Vormittag haben die Deutschen es schwarz auf weiß! Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (40, CDU) hat seinen Impfplan vorgestellt.

Schnelle Atmung kann Sättigung hochtreiben

Die Bedenken zu den Geräten sind aber nicht die wichtigsten Argumente des Mediziners: Die Sauerstoffsättigung sei vor allem kein verlässliches Symptom für ein frühzeitiges Erkennen solcher gefährlichen Covid-19-Verläufe. Eine schnelle Atmung könne die Sättigung in solchen Fällen noch hochtreiben, obwohl die Lunge schon nicht mehr wie gewohnt arbeitet. Geiseler: „Der sogenannte Sauerstoff-Partialdruck kann auch sinken, ohne dass man das an der Sauerstoffsättigung des Hämoglobins im Körper bemerkt!“

Genau deshalb rät der Facharzt auch, eher die Atemfrequenz im Blick zu behalten. „Sie ist für uns der viel empfindlichere und bessere Parameter in solchen Fällen.“ Normalerweise atme man 12 bis 16 Mal pro Minute. „Patienten in der Frühphase einer solchen Lungenentzündung haben häufig eine Atemfrequenz von 22 bis 24 Zügen pro Minute, aber keine Luftnot.“

Und das ist tückisch: Denn genau diese Atemnot sei es, die Patienten sonst zum Arzt gehen ließe!

Wachsamkeit nach Abklingen der Symptome

Der Experte rät Menschen, die sich mit Corona infiziert haben, auf jeden Fall wachsam zu bleiben – gerade, wenn die ersten Symptome nach einigen Tagen abgeklungen sind. Denn die Entzündungen in der Lunge beginnen laut bisherigen Kenntnisstand oft erst am sechsten bis siebten Tag. „Wenn es dann wieder losgeht mit schnellerer Atmung, würde ich das abklären.“ Mit Röntgenbildern der Lunge und Blutgas-Messungen könnten Fachärzte das Risiko einschätzen und Behandlungen empfehlen.

Geiseler betont: „Ich würde aber nicht dazu aufrufen, dass jeder sich als Kontrollgerät so ein Pulsoxymeter zulegt, das eigentlich nur für Sport da ist. Die sind zu ungenau für diese Zwecke.“